Samstag, 4. Dezember 2010

Das Wechsel-Gebet als Abendritual mit Kindern

English Version in my English Blog.

Schon früh habe ich als Vater gelernt, dass Rituale am Abend für Kinder wichtig sind, um zur Ruhe zu kommen. Mit unseren beiden Söhnen haben wir zwei Rituale: Wir lesen ihnen etwas vor und dann beten wir mit ihnen. Das tut meine Frau – das tue ich. Jeder von uns auf seine Weise.

Das Gebet bildet immer den Abschluss. Früher habe ich ihm vorgebetet – und dann kam mein Sohn irgendwann auf die Idee, ein Wechsel-Gebet zu sprechen: Erst er ein Wort des Gebets, dann ich ein Wort. Dies Ritual pflegen wir nun seit Jahren und irgendwann wollte auch unser Jüngster genau so das Gebet mit mir sprechen. Es ist eine unheimlich schöne Erfahrung, die viel Nähe schafft. Manchmal kommt inzwischen sogar noch ein Kuscheltier hinzu, dessen Rolle dann entweder ich oder unser Sohn übernimmt. Jeweils “in Rolle” gesprochen – mal mit tiefer Stimme, mal mit hoher. Auch dies Neuerung stammt aus dem Kopf unseres Ältesten.

Das Gebet – sind eigentlich zwei Gebete. Wie es dazu kam, weiß ich nicht mehr. Aber es hat sich bei beiden Söhnen durchgesetzt:

Ich bin klein, mein Herz ist rein, soll niemand drin wohnen als Jesus allein. Amen.
Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm. Amen.

Fürbitten und Wetten dass..?

Manchmal ergänzen wir das Gebet noch um eine Fürbitte: meist für einen kranken Verwandten. Heute war ein besonderer Tag. Denn heute war der Unfall bei Wetten dass..? von dem man wohl noch Jahre reden wird. Unser Ältester hatte den Unfall gesehen, bei dem ein Kandidat sehr schwer stürzte und nicht klar war, ob eventuell nicht das Schlimmste eingetreten ist (Stand jetzt ist er wieder ansprechbar). Kurze Zeit später wurde Wetten dass..? abgebrochen und wir brachten unseren Sohn ins Bett. Für mich fiel hier die Entscheidung, gerade auch heute eine Fürbitte für Samuel K. mit unserem Sohn zu sprechen. Mein Gedanke: So kann er vielleicht den Unfall besser verarbeiten und hat das Gefühl, etwas tun zu können. Ich hoffe es hilft und er hat eine friedliche Nacht. Und Samuel K. wünsche ich, dass er den Unfall ohne Folgen übersteht.

Montag, 18. Oktober 2010

Schlaf ganz einfach ein…

Manchmal hat man das Glück, dass man sich auf den Tod eines nahen Menschen vorbereiten kann. Ich hatte dies Glück – und ich hatte das Glück, dass ein Lied mich in dieser Zeit begleitet hat. Der Name des Künstlers ist vielleicht in dieser Situation nicht so passend – Unheilig – auch bekannt als “Der Graf”. Sein Titel aber ist genauso gefühlvoll wie sein Hit “Mein Stern” und lautet: “An deiner Seite”. Ich habe dieses Lied wieder und immer wieder gehört und besonders die letzten Zeilen haben sich in mein Herz gebrannt:

Lass dich fallen und schlaf ganz einfach ein.
Ich werde für immer an deiner Seite sein.

Wer ein Lied zum Abschied nehmen sucht, oder ein Lied, um seine Trauer zu verarbeiten, dem lege ich dies Lied wirklich ans Herz:

Den Text dazu findet man bei Magistrix.de.

Sonntag, 19. September 2010

Nuklear-Archäologen entdecken Atommüll-Endlager

Inmitten des EG-Mitgliedsstaates Deutschland fanden Nuklear-Archäologen diese Woche ein weiteres sogenanntes Atommüll-Endlager in der Nähe der Elbe. Es gilt als der vielversprechendste Fund der letzten 50 Jahre zur Aufklärung des plötzlichen Todes von Millionen von Menschen Ende des 21. Jahrhunderts…

Könnte so eine Zeitungsmeldung der Zukunft aussehen? Seit die schwarz-gelbe Regierung eine Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke angekündigt hat, ärgere ich mich mehr und mehr über die offensichtliche Kurzsichtigkeit der Politiker. Endlagerung ist ja geklärt, oder? “Endlager” was für ein vielversprechendes Wort. Es klingt so final, so als könnte man das, was dann dort gelagert wird, in Zukunft vergessen. Wie war das noch mit der Asse?

Und haben wir ein Problem mit veralteten Atommeilern? Tschernobyl ist auch schon lange her und wir haben es überlebt – oder? Wie war es denn gerade jüngst, als die Brände rund um Moskau wüteten? Plötzlich wurde der Geist von 1986 wieder lebendig. Nur 24 Jahre nach dem Unglück drohten die Brände wieder radioaktive Asche in die Luft zu befördern, die unser Leben hier in Deutschland hätten gefährden können. Wie gut, dass früh die Meldung kam, die Wolke werde uns diesmal nicht treffen.

24 Jahre… meine Kinder wissen nicht einmal etwas von Tschernobyl. Und selbst bei mir war Tschernobyl eher im passiven Teil meines Gedächtnisses abgelegt.

Dann fand ich im Blog von Greenpeace am 17.09. ein bedrückendes Video vom Künstler Urban Stark zur Laufzeitverlängerung:

Eine niedliche Gummiente… plötzlich dahingerafft durch einen Mini-Super-GAU.

Und wie kam ich auf die Archäologen? Nun, wir forschen im Müll untergegangener Zivilisationen, um zu erfahren, wie die Menschen damals lebten… und gerade dies Wochenende meldete die lokale Wochenzeitung “Markt” unter dem Titel Artefakte für die Historiker der Zukunft, dass im Spiekerhus im Museumsdorf Volksdorf bei der Grundsteinlegung Informationen in einer Kupferkassette für eben die Archäologen der Zukunft abgelegt worden seien. Was werden diese Archäologen wohl über uns denken, wenn sie einmal diese lieb gemeinte Kassette in den Händen halten – und dann sich aber auch diesem Atommüll-Endlager gegenüberstehen?

Ich habe heutzutage weniger Probleme meine Kinder aufzuklären (dank so schönen Büchern wie Peter, Ida und Minimum) als ihnen zu erklären, was für schreckliche Hinterlassenschaften wir ihnen heutzutage bereitstellen.